| Die Lesung ist eine Veranstaltung, die verschiedene Gesichter hat. Sie fordert den Autor heraus, sie beglückt oder deprimiert ihn. Sie wird für ihn zum peinlichen Ereignis, wenn die Zuhörer wegen eines aktuellen Fußballspiels abwesend sind. Eine Lesung ist eine lästige Veranstaltung, wenn das Publikum nur aus Gemeindemitgliedern besteht, die - gut organisiert - gekommen sind, weil sie sonst nichts zu tun haben. Lesungen sind für die jungen Autoren eine Möglichkeit, “Taschengeld” zu verdienen, oder aber auch nicht. Sie können der eigenen Werbung dienen, wenn der Autor über kommunikative Fähigkeiten verfügt. Die Lesung ist ein herrliches Ereignis, wenn der Autor etwas Interessantes vorzutragen hat, das Publikum über DIE Ohren und DAS Herz verfügt, es zu verspüren. Dann sind auch alle Fragen - die netten, und die stechenden - richtig. Eine Lesung ist die Gelegenheit, jemanden zu überzeugen, daß die Literatur wertvoll ist, oder aber auch nicht. So oder so, für den Autor bleibt die Lesung der erste Schritt zu seinen Lesern. Habt keine Angst zu stolpern, es gehört dazu! Der Autor und sein Nikolaus Der Autor sitzt vor dem Computer und schreibt. In seinem Fach liegen bereits viele Gedichte, Erzählungen oder Romane. Er sitzt und denkt vielleicht an Boris Vian, Grisham oder Pasternak. Er denkt an die Rebellen in der Literatur, an die Mäzene und an die unzähligen Bücher, die sich dank schlauem Management gut verkaufen lassen. Der Autor denkt an die Verlage, die bedeutungslose Bücher veröffentlichen und fragt sich: WARUM? Pasternak lebte in einer Diktatur ohne “DER Genosse Pasternak” zu werden. Grisham hat erkannt, daß wir im Jahre 2001 leben und die Zeiten der Mäzene vorbei sind und, daß man heutzutage nicht im Sommer auf den Nikolaus warten soll. Weil Pasternak, Boris Vian oder Grisham über Dinge geschrieben haben, die auch in Sansibar verstanden werden können. Weil es auch früher ebenfalls wertlose Bücher gab, von denen wir keine Ahnung haben, da sie die ZEIT nicht überstanden haben. Ob Ihnen meine Meinung gefällt oder nicht, hören Sie nur auf sich, seien Sie Sie selbst, lassen Sie sich von Autoritäten oder Pessimisten nicht einschüchtern. Denken Sie daran, jeder ist wie Sie - ein Mensch, der nur nach seine Qualitäten und seinem Mut zu leben, beurteilt wird. |